Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig
Copyright 1913 by Albert Langen, Munich
Übersetzungsrecht vorbehalten
Druck von Philipp Reclam jun. Leipzig
Inhaltsverzeichnis
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Das dicke Wasser | 3 |
Die Urne von St. Gingolph | 11 |
Das ganze Sein ist flammend Leid | 19 |
Das Automobil | 27 |
Blamol | 35 |
Bocksäure | 47 |
Das Fieber | 56 |
Der violette Tod | 65 |
Im Ruderklub „Clia“ herrschte brausender Jubel. Rudi, genannt derSulzfisch, der zweite „Bug“, hatte sich überreden lassen und seinMitwirken zugesagt. — Nun war der „Achter“ komplett. — Gott sei Dank.
Und Pepi Staudacher, der berühmte Steuermann, hielt eine schwungvolleRede über das Geheimnis des englischen Schlages und toastierte auf denblauen Donaustrand und den alten Stefansturm (duliö, duliö). Dannschritt er feierlich von einem Ruderer zum andern, jedem dasTrainingsehrenwort — vorerst das kleine — abzunehmen.
Was da alles verboten wurde, es war zum staunen! Staudacher, für den alsSteuermann all dies keinerlei Geltung hatte, wußte es auswendig:„Erstens nicht rauchen, zweitens nicht trinken, drittens keinen Kaffee,viertens keinen Pfeffer, fünftens kein Salz, sechstens — — siebentens— — — achtens — — —, und vor allem keine Liebe — hören Sie —keine Liebe! — weder praktische noch theoretische — — — —!“
Die anwesenden Klubjungfrauen sanken um einen halben Kopf zusammen, weilsie die Beine ausstrecken mußten, um ihren Freundinnen vis-à-visbedeutungsvolle Fußtritte unter dem Tisch zu versetzen. Der schöne Rudischwellte die Heldenbrust und stieß drei schwere Seufzer aus, dieanderen schrien wild nach Bier, der kommenden schrecklichen Tagegedenkend.
„Eine Stunde noch, meine Herren, heute ausnahmsweise, dann ins Bett, undvon morgen an schläft die Mannschaft im Bootshause.“
„Mhm,“ brummte bestätigend der Schlagmann, trank aus und ging. „Ja, ja,der nimmt's ernst,“ sagten alle bewundernd. —
Spät in der Nacht traf ihn die heimkehrende Mannschaft zwar Arm in Armmit einer auffallend gekleideten Dame in der Bretzelgasse, aber eskonnte ja gerade so gut seine Schwester sein. — Wer kann denn in derDunkelheit eine anständige Dame von einer Infektioneuse unterscheiden!
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